Mittwoch, 8. Dezember 2010
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Hilfe zur Selbsthilfe
Während meiner Zeit in Ghana haben mich viele Leute nach Geld oder Hilfe gefragt und man will natürlich am liebsten allen auf einmal helfen, aber hat natürlich nicht die Mittel und Zeit dazu. Michael Ballack zu grüßen wird sowieso schwer werden und ich glaube auch nicht, dass ich ein junges, blondes, deutsches Mädchen für einen 40 jährigen ghanaischen Lehrer finden werde, aber es gibt einige andere Projekte, die ich für sinnvoll halte und euch deshalb vorstellen will.
Ich finde es ja selbst nicht gut Geld zu spenden und vergleiche das ja auch zu gerne mit dem Ablasshandel. Ich möchte auch nicht, dass sich jemand von euch genötigt fühlt, Geld zu spenden und wenn ihr euch dazu entscheidet, dann tut es bitte nicht nur, um euer Gewissen zu beruhigen, sondern tut es, weil ihr aus tiefster innerer Überzeugung helfen wollt. Man könnte jetzt hier eine philosophische Diskussion anfangen, aber ich glaube es reicht, wenn ihr euch selbst eure Gedanken zu dem Thema macht und dann zu einer Entscheidung kommt.
Falls ihr selbst als Entwicklungshelfer nach Ghana (oder bald auch Liberia) wollt, um den Menschen vor Ort zu helfen, dann könnt ihr euch auf folgender Internseite informieren: Population Caring Organization
Dort findet ihr auch alle Informationen über die Projekte und wie ihr euch bewerben könnt.
Vielleicht ist euch auch schon aufgefallen, dass es mittlerweile Werbung auf meinem Blog gibt. Ich weiß zwar selbst nicht genau, wie viel Geld man damit verdient, aber ich will das Geld dieser Werbeeinnahmen an PCO spenden. Natürlich darf ich euch als Leser nicht auffordern, direkt auf diese Anzeigen zu klicken, aber ich darf euch erklären, wie das funktioniert: Immer wenn jemand meinen Blog besucht und diese Anzeigen sieht, bekomme ich imaginär einen winzig kleinen Betrag gutgeschrieben und wenn jemand sogar auf die Anzeigen klickt (mir selbst ist das vertraglich verboten), bekomme ich einen größeren, aber immer noch winzigen Betrag gutgeschrieben. Falls sich diese winzigkleinen Beträge dann irgendwann zu 70 Euro (epsilon * n = 70; n = ?) summieren, bekomme ich das Geld ausgezahlt.
Die Mütter nähen ja selbst Textilien und verkaufen diese auch. Falls ihr also ein Kleid, eine Hose, eine Tasche oder ähnliches wollt, dann könnt ihr mal auf diese Website schauen: Mothers Skills Training Center
Dort findet ihr auch ein Formular zur Bestellung, wobei ihr das auch gerne über mich machen könnt. Mir haben die Mütter eine kurze Hose genäht und die ist wirklich super!
Das nächste große und wirklich tolle Projekt geht von Mr. Bah aus. Sie haben festgestellt, dass sich die wenigsten Schüler eigene Hefte kaufen können und wenn, dann haben sie nur ein Heft für alle Fächer und Hausaufgaben. Viel besser wäre es, wenn alle Schüler ihre Hefte von der Schule bekämen und zwar ein Heft je Fach. Das würde die Effizienz des Unterrichts steigern und die Eltern müssen ihr weniges Geld nicht für Schulhefte ausgeben. Ihr findet hier gleich die Projektbeschreibung dazu und wenn ihr mehr darüber wissen wollt, oder wenn ihr Geld spenden wollt, dann könnt ihr euch gerne an mich wenden, weil ich bisher selbst noch keine Bankverbindung dazu habe.
Außerdem habe ich von dem Rektor einer anderen Schule eine Liste bekommen mit Materialien, die sie für den Schulalltag brauchen, um den Kindern kostenlose Bildung zu ermöglichen. Die Kontaktdaten stehen sogar direkt mit dabei:
Ich habe den Menschen in Ghana versprochen, diese Inforationen mit euch zu teilen und jetzt könnt ihr entscheiden, ob ihr auch helfen wollt.
Ich finde es ja selbst nicht gut Geld zu spenden und vergleiche das ja auch zu gerne mit dem Ablasshandel. Ich möchte auch nicht, dass sich jemand von euch genötigt fühlt, Geld zu spenden und wenn ihr euch dazu entscheidet, dann tut es bitte nicht nur, um euer Gewissen zu beruhigen, sondern tut es, weil ihr aus tiefster innerer Überzeugung helfen wollt. Man könnte jetzt hier eine philosophische Diskussion anfangen, aber ich glaube es reicht, wenn ihr euch selbst eure Gedanken zu dem Thema macht und dann zu einer Entscheidung kommt.
Falls ihr selbst als Entwicklungshelfer nach Ghana (oder bald auch Liberia) wollt, um den Menschen vor Ort zu helfen, dann könnt ihr euch auf folgender Internseite informieren: Population Caring Organization
Dort findet ihr auch alle Informationen über die Projekte und wie ihr euch bewerben könnt.
Vielleicht ist euch auch schon aufgefallen, dass es mittlerweile Werbung auf meinem Blog gibt. Ich weiß zwar selbst nicht genau, wie viel Geld man damit verdient, aber ich will das Geld dieser Werbeeinnahmen an PCO spenden. Natürlich darf ich euch als Leser nicht auffordern, direkt auf diese Anzeigen zu klicken, aber ich darf euch erklären, wie das funktioniert: Immer wenn jemand meinen Blog besucht und diese Anzeigen sieht, bekomme ich imaginär einen winzig kleinen Betrag gutgeschrieben und wenn jemand sogar auf die Anzeigen klickt (mir selbst ist das vertraglich verboten), bekomme ich einen größeren, aber immer noch winzigen Betrag gutgeschrieben. Falls sich diese winzigkleinen Beträge dann irgendwann zu 70 Euro (epsilon * n = 70; n = ?) summieren, bekomme ich das Geld ausgezahlt.
Die Mütter nähen ja selbst Textilien und verkaufen diese auch. Falls ihr also ein Kleid, eine Hose, eine Tasche oder ähnliches wollt, dann könnt ihr mal auf diese Website schauen: Mothers Skills Training Center
Dort findet ihr auch ein Formular zur Bestellung, wobei ihr das auch gerne über mich machen könnt. Mir haben die Mütter eine kurze Hose genäht und die ist wirklich super!
Das nächste große und wirklich tolle Projekt geht von Mr. Bah aus. Sie haben festgestellt, dass sich die wenigsten Schüler eigene Hefte kaufen können und wenn, dann haben sie nur ein Heft für alle Fächer und Hausaufgaben. Viel besser wäre es, wenn alle Schüler ihre Hefte von der Schule bekämen und zwar ein Heft je Fach. Das würde die Effizienz des Unterrichts steigern und die Eltern müssen ihr weniges Geld nicht für Schulhefte ausgeben. Ihr findet hier gleich die Projektbeschreibung dazu und wenn ihr mehr darüber wissen wollt, oder wenn ihr Geld spenden wollt, dann könnt ihr euch gerne an mich wenden, weil ich bisher selbst noch keine Bankverbindung dazu habe.
Außerdem habe ich von dem Rektor einer anderen Schule eine Liste bekommen mit Materialien, die sie für den Schulalltag brauchen, um den Kindern kostenlose Bildung zu ermöglichen. Die Kontaktdaten stehen sogar direkt mit dabei:
Ich habe den Menschen in Ghana versprochen, diese Inforationen mit euch zu teilen und jetzt könnt ihr entscheiden, ob ihr auch helfen wollt.
Montag, 11. Oktober 2010
Entwicklungshilfe?!
Ich habe euch ja noch eine Zusammenfassung versprochen und nach 10 Tagen zurück in Deutschland wird es auch langsam mal Zeit dafür.
Vor 3 Monaten war ich mir ja selbst nicht sicher, ob diese Freiwilligenarbeit sinnvoll werden wird und ob man als einzelner Mensch überhaupt was verändern kann. Aber natürlich habe ich gehofft, dass es zwei tolle Monate werden und jetzt kann ich sagen, dass es zwei tolle Monate waren:
Zum einen muss ich sagen, dass es für mich eine einzigartige Erfahrung war, ich viele nette Menschen getroffen habe, ich eine neue Kultur kennen lernen durfte, ich mein Englisch verbessert habe und ich schließlich gemerkt habe, wie gut es uns in Europa geht! Ich kann es also nur jedem von euch empfehlen, auch mal ein paar Wochen oder Monate im Ausland zu verbringen und macht bitte keinen Pauschalurlaub, denn die besten Erfahrungen macht man, wenn man direkt mit den Leuten zusammen wohnt, isst, arbeitet und Party macht.
Aber zum anderen glaube ich, dass nicht nur ich davon profitiert habe, sondern dass auch das Ausrufezeichen im Post Titel gerechtfertigt ist! Ich habe die Kinder in der Schule unterrichtet, den Müttern Rechnen beigebracht und zwei Lehrerfortbildungen organisiert. Natürlich ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber (auch auf die Gefahr hin, dass ich dieses Sprichwort schon mal missbraucht habe) stet'ger Tropfen höhlt auch heiße Steine. Außerdem geht es nicht nur darum Wissen zu vermitteln, sondern auch den Menschen Hoffnung zu machen und ihnen zu zeigen, dass man sich um sie kümmert. Vor allem bei den Lehrerfortbildungen habe ich gemerkt, dass es manchen Lehrern einfach an Motivation fehlt und wenn man ihnen dann von interessanten Themen erzählt und sie selbst Bücher darüber lesen, merkt man, dass die Arbeit wirklich nachhaltig ist. Die 70 Kinder in der Schule, die 120 Lehrer im Workshop und die 10 Mütter im Mother Center sind natürlich nur ein (sehr!) kleiner Prozentsatz der hilfebedürftigen Bevölkerung in der 3. Welt, aber ich glaube, dass ich das beste aus den 2 Monaten gemacht habe und auch das Feedback der Lehrer, Mütter und Kinder hat mir das bestätigt.
Beim Durchlesen klingt das etwas selbstverliebt, aber vielleicht muss man das nach diesen 2 Monaten ja auch sein. Mir haben die zwei Monate auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich glaube auch, dass man Entwicklungshilfe am besten in solchen kleinen Projekten machen kann! Jeder von euch! Und ja, jeder einzelne kann etwas verändern, denn auch die längste Reise beginnt mit einem kleinen Schritt und im nächsten Post möchte ich euch noch ein paar Tipps und Hinweise geben, wie ihr am besten helfen könnt.
Vor 3 Monaten war ich mir ja selbst nicht sicher, ob diese Freiwilligenarbeit sinnvoll werden wird und ob man als einzelner Mensch überhaupt was verändern kann. Aber natürlich habe ich gehofft, dass es zwei tolle Monate werden und jetzt kann ich sagen, dass es zwei tolle Monate waren:
Zum einen muss ich sagen, dass es für mich eine einzigartige Erfahrung war, ich viele nette Menschen getroffen habe, ich eine neue Kultur kennen lernen durfte, ich mein Englisch verbessert habe und ich schließlich gemerkt habe, wie gut es uns in Europa geht! Ich kann es also nur jedem von euch empfehlen, auch mal ein paar Wochen oder Monate im Ausland zu verbringen und macht bitte keinen Pauschalurlaub, denn die besten Erfahrungen macht man, wenn man direkt mit den Leuten zusammen wohnt, isst, arbeitet und Party macht.
Aber zum anderen glaube ich, dass nicht nur ich davon profitiert habe, sondern dass auch das Ausrufezeichen im Post Titel gerechtfertigt ist! Ich habe die Kinder in der Schule unterrichtet, den Müttern Rechnen beigebracht und zwei Lehrerfortbildungen organisiert. Natürlich ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber (auch auf die Gefahr hin, dass ich dieses Sprichwort schon mal missbraucht habe) stet'ger Tropfen höhlt auch heiße Steine. Außerdem geht es nicht nur darum Wissen zu vermitteln, sondern auch den Menschen Hoffnung zu machen und ihnen zu zeigen, dass man sich um sie kümmert. Vor allem bei den Lehrerfortbildungen habe ich gemerkt, dass es manchen Lehrern einfach an Motivation fehlt und wenn man ihnen dann von interessanten Themen erzählt und sie selbst Bücher darüber lesen, merkt man, dass die Arbeit wirklich nachhaltig ist. Die 70 Kinder in der Schule, die 120 Lehrer im Workshop und die 10 Mütter im Mother Center sind natürlich nur ein (sehr!) kleiner Prozentsatz der hilfebedürftigen Bevölkerung in der 3. Welt, aber ich glaube, dass ich das beste aus den 2 Monaten gemacht habe und auch das Feedback der Lehrer, Mütter und Kinder hat mir das bestätigt.
Beim Durchlesen klingt das etwas selbstverliebt, aber vielleicht muss man das nach diesen 2 Monaten ja auch sein. Mir haben die zwei Monate auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich glaube auch, dass man Entwicklungshilfe am besten in solchen kleinen Projekten machen kann! Jeder von euch! Und ja, jeder einzelne kann etwas verändern, denn auch die längste Reise beginnt mit einem kleinen Schritt und im nächsten Post möchte ich euch noch ein paar Tipps und Hinweise geben, wie ihr am besten helfen könnt.
Sonntag, 3. Oktober 2010
BILD am Sonntag
Wie versprochen gibt es jetzt noch Fotos vom Handy. Die Auflösung ist besser als ich dachte, aber leider nur wenige Fotos der letzten 3 Wochen:
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| An der Treppe zu meinem Internetcafe - da fühlt man sich wie zu Hause. |
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| Tilman im Zenit - man beachte den nicht vorhandenen Schatten! |
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| Halbinsel mit Brandenburgischer Festungsruine und da hinten sieht man meinen Traumstand |
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| Lagerfeuer am Strand |
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| Kanufahrt durch die Mangroven |
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| Emofotos am Traumstrand |
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| Tilman nach Beerdigung |
Freitag, 1. Oktober 2010
Lichter der Großstadt
Ich sitze im Flugzeug und wir sind gerade in Accra gestartet. Ich hatte noch ein paar schöne Tage, habe mich von allen Lehrern, Schülern, Müttern und Freunden verabschiedet, einige Geschenke bekommen und heute gab es nochmal mein Lieblingsessen: Reis mit Erdnusssoße! Die Fahrt zum Flughafen ging schneller als erwartet und so musste ich noch 5h im unterklimatisierten Flughafen warten...
Für ein Resumee der 2 Monate bin ich gerade zu müde (und der neue Robin Hood will geguckt werden...), aber wir sind gerade über Accra geflogen und da ist mir was aufgefallen:
Das erste und das letzte was ich von Ghana gesehen habe, waren die Lichter von Accra. In der ersten Nacht kam ich mit 10h Verspätung an und ich bin gerade aufgewacht, als wir wieder das Festland erreicht hatten, nachdem wir in Libreville zwischengelandet sind. Die Reklame, Häuser und Straßenbeleuchtung in Accra sieht einfach komplett anders aus, als man das von deutschen Großstädten gewöhnt ist. Vielleicht bin ich gerade einfach nur zu sentimental, aber ich finde die "Lichter der Großstadt" einen schönen Vergleich zwischen Afrika und Europa:
In Accra sahen die Lichter alle chaotisch aus, in weiten Abschnitten der Stadt gibt es gar kein Licht und die Farben der Lichter sind bunt durchmischt. Als ich das im Landeanflug zum ersten Mal gesehen habe, hat es etwas seltsam und ungewohnt gewirkt. Wenn man über deutsche Großstädte fliegt, kann man nachts die Sraßenbeleuchtung sehen, die im immergleichen Abstand die Städte erhellt und die Autos auf den Straßen, die in geordneten Bahnen durch die Städte fahren. In Accra erkennt man auch Autos, die aber scheinbar ziellos durch die Stadt fahren und manche haben einfach blaue, weiße oder gelbe Rücklichter zwischen den ganzen roten. Über Frankreich habe ich am Abend des 14. Juli sogar mal ein Feuerwerk von oben gesehen und über Accra habe ich nur ein Feuer in der Ferne gesehen, wo wahrscheinlich gerade Müll verbrannt wurde. Es hat mir bei der Ankunft ein wenig Angst gemacht, dass die Straßen kaum beleuchtet sind, aber die Menschen finden doch ihren Weg und man selbst gewöhnt sich auch schnell daran. Man kann auch gut erkennen, welche Stadtteile gerade keinen Strom haben, denn dann sieht man vor allem nichts und nur ein wenig orangenes Licht von Feuern, Kerzen und Petroliumlampen. Man kann den Verlauf der Straßen in Accra aus dem Flugzeug kaum erkennen, aber was man erkennt ist, dass es kaum gerade Straßen gibt. Die Straßen und deren Beleuchtung machen große Bögen, zickzack oder enden einfach im Dunkeln.
Als ich nun aber nach 2 Monaten wieder über Accra gefolgen bin, fande ich diese Unordnung, dieses Fremde und Chaotische der Lichter Accras nicht mehr befremdlich, sondern richtig schön! Man gewöhnt sich nicht nur daran, sondern findet die vielen bunten Lichter und deren Durcheinander richtig toll. Vielleicht ist es in Europa ordentlicher und organisierter, aber trotzdem gewöhnt man sich schnell an das Leben in Ghana und vor allem die Leute selbst sind glücklich in diesem scheinbaren Chaos.
Mir fällt auch gerade ein, dass Aufklärung auf Englisch "enlightenment" heißt, was in dem Zusammenhang doch der nächste schöne Vergleich ist - aber ich schweife ab...
Ich bin übrigens wieder gut in Ettlingen angekommen, werde jetzt erstmal Wäsche waschen, meinen Stundenplan erstellen und etwas Schlaf nachholen. In den nächsten Tagen dürft ihr dann noch ein paar Fotos erwarten.
Für ein Resumee der 2 Monate bin ich gerade zu müde (und der neue Robin Hood will geguckt werden...), aber wir sind gerade über Accra geflogen und da ist mir was aufgefallen:
Das erste und das letzte was ich von Ghana gesehen habe, waren die Lichter von Accra. In der ersten Nacht kam ich mit 10h Verspätung an und ich bin gerade aufgewacht, als wir wieder das Festland erreicht hatten, nachdem wir in Libreville zwischengelandet sind. Die Reklame, Häuser und Straßenbeleuchtung in Accra sieht einfach komplett anders aus, als man das von deutschen Großstädten gewöhnt ist. Vielleicht bin ich gerade einfach nur zu sentimental, aber ich finde die "Lichter der Großstadt" einen schönen Vergleich zwischen Afrika und Europa:
In Accra sahen die Lichter alle chaotisch aus, in weiten Abschnitten der Stadt gibt es gar kein Licht und die Farben der Lichter sind bunt durchmischt. Als ich das im Landeanflug zum ersten Mal gesehen habe, hat es etwas seltsam und ungewohnt gewirkt. Wenn man über deutsche Großstädte fliegt, kann man nachts die Sraßenbeleuchtung sehen, die im immergleichen Abstand die Städte erhellt und die Autos auf den Straßen, die in geordneten Bahnen durch die Städte fahren. In Accra erkennt man auch Autos, die aber scheinbar ziellos durch die Stadt fahren und manche haben einfach blaue, weiße oder gelbe Rücklichter zwischen den ganzen roten. Über Frankreich habe ich am Abend des 14. Juli sogar mal ein Feuerwerk von oben gesehen und über Accra habe ich nur ein Feuer in der Ferne gesehen, wo wahrscheinlich gerade Müll verbrannt wurde. Es hat mir bei der Ankunft ein wenig Angst gemacht, dass die Straßen kaum beleuchtet sind, aber die Menschen finden doch ihren Weg und man selbst gewöhnt sich auch schnell daran. Man kann auch gut erkennen, welche Stadtteile gerade keinen Strom haben, denn dann sieht man vor allem nichts und nur ein wenig orangenes Licht von Feuern, Kerzen und Petroliumlampen. Man kann den Verlauf der Straßen in Accra aus dem Flugzeug kaum erkennen, aber was man erkennt ist, dass es kaum gerade Straßen gibt. Die Straßen und deren Beleuchtung machen große Bögen, zickzack oder enden einfach im Dunkeln.
Als ich nun aber nach 2 Monaten wieder über Accra gefolgen bin, fande ich diese Unordnung, dieses Fremde und Chaotische der Lichter Accras nicht mehr befremdlich, sondern richtig schön! Man gewöhnt sich nicht nur daran, sondern findet die vielen bunten Lichter und deren Durcheinander richtig toll. Vielleicht ist es in Europa ordentlicher und organisierter, aber trotzdem gewöhnt man sich schnell an das Leben in Ghana und vor allem die Leute selbst sind glücklich in diesem scheinbaren Chaos.
Mir fällt auch gerade ein, dass Aufklärung auf Englisch "enlightenment" heißt, was in dem Zusammenhang doch der nächste schöne Vergleich ist - aber ich schweife ab...
Ich bin übrigens wieder gut in Ettlingen angekommen, werde jetzt erstmal Wäsche waschen, meinen Stundenplan erstellen und etwas Schlaf nachholen. In den nächsten Tagen dürft ihr dann noch ein paar Fotos erwarten.
Dienstag, 28. September 2010
VISA - die Freiheit nehm ich mir... nicht!
Erinnert ihr euch noch an die VISA Werbung von vor ca. 15 Jahren, wo eine Nonne zu spät zur Abfahrt des Klosterausflugs kommt, sich dann mit ihrer VISA Karte ein Cabrio mietet und dann total lässig und winkend am Bus mit den anderen Nonnen vorbeifährt?! Tja, das sind prägende Erlebnisse für einen 6 Jährigen und damals wollte ich dann unbedingt eine VISA Karte haben. Jetzt habe ich seit 2 Monaten eine VISA Karte und konnte damit in Ghana immer und überall problemlos und gebührenfrei Geld abheben - aber das sollte sich ändern! Es folgt nun die chronologische Zusammenfassung der letzten Tage und ihr könnte ja mal zählen, wie oft darin das Wort "VISA" vorkommt:
VISA VISA VISA - nur ein Test...
Freitagmorgen war ich in der Schule und habe Mathe unterrichtet. Danach... ne ich muss weiter ausholen: Wir haben ja hier das Mothers' Skill Training Center, wo alleinstehenden Müttern u.a. Nähen beigebracht wird. Die dort produzierten Textilien versuchen wir dann in Europa zu verkaufen und mit dem Erlös werden wiederrum die Mütter und ihre Familien unterstützt. Tamara (eine frühere Freiwillige) will mit ihrer Schule auf dem Weihnachtsmarkt Taschen und Kleidung der Mütter verkaufen. Dazu musste sie uns erstmal das Geld schicken, damit wir die Materialien einkaufen können und der einfachste und billigste Weg war über meine VISA Karte. Also hat sie mir 250 Euro überwiesen und ich bin dann Freitagmittag mit Mr. Rogers auf den Markt in Kasoa gefahren, denn freitags ist dort Markttag und da ist auch der nächste Geldautomat.
Leider konnte ich am ersten Automaten kein Geld abheben, sondern bekam die Fehlermeldung "Your issuer has declined your transaction", womit ich nicht viel anfangen konnte. Die zweite Bank hat keine VISA Karten akzeptiert, die dritte Bank hat mir die Fehlermedlung wenigstens auf einen Beleg gedruckt und die vierte Bank hatte immerhin Schalter, wo man nachfragen konnte. Die Frau war zwar ganz nett, aber konnte es auch nur auf "networkproblems" schieben und ich solle es doch den nächsten Tag nochmal versuchen. Dazu sollte man sagen, dass nur 2 Mal die Woche Markttag ist und diese Bestellung ziemlich dringend ist, denn bei einem Monat Versand ist ja schon bald Weihnachten...
Freitagabend habe ich dann versuchsweise mein "German Meal" gekocht. Ich habe meinen Leuten hier nämlich versprochen, ihnen mal was Deutsches zu kochen, werde es auch Morgen tun, aber wollte es am Freitag mal ausprobieren. Spaghetti könnte ich gut, ist aber weniger Deutsch. Seitan ist toll, aber hier gibt es kein Paniermehl. Kartoffeln sind typisch deutsch. Nach diesen Überlegungen habe ich mich dann für Gulasch mit Kartoffeln entschieden (ist zwar auch nicht typisch deutsch, aber das wissen die ja nicht und dabei konnte ich wunderbar den Seitan unterbringen). Auf jeden Fall ist Antony jetzt ein totaler Seitanfan und hat zum ersten Mal saure Gurken gegessen (Wüsste einer von euch, was "Saure Gurken" auf Englisch heißt?^^). Morgen dürfen sich also die anderen über Gulasch freuen.
Samstag bin ich nach Accra gefahren, weil ich noch einige Geschenke für meine Freunde hier und Souveniers für den ein oder anderen Leser gebraucht habe. Außerdem habe ich am Samstag bei 10 verschiedenen Banken und 20 verschiedenen Geldautomaten versucht, Geld mit meiner VISA Karte abzuheben. Es gab zwar teilweise exotischere Fehlermedlungen, aber immer noch kein Geld. Die nächste Frau in der nächsten Bank hat auch wieder das Wort "networkproblems" in den Mund genommen, was mich aber nicht sonderlich beruhigt hat. Ich habe dann meine Shopping Tour auch etwas eingeschränkt, weil ich ja nicht wusste, wie lange mein Geld noch reichen muss.
Samstagabend kam mich dann Jonathan besuchen, den ihr schon kennen solltet, weil er mir dieses tolle Leuchtphänomen am Strand gezeigt hat. Jonathan hat Politikwissenschaften studiert und seine Bachelorarbeit über die Situation von Flüchtlingen geschrieben, weshalb er es total spannend fande, als ich von meiner Arbeit hier erzählt habe.
Am Sonntag sind wir dann erst in die Kirche gegangen und nachmittags hat uns Wilfred das Flüchtlingslager gezeigt. Selbst ich fande es nach 2 Monaten noch interessant und Jonathan hat sich offensichtlich auch über diese Möglichkeit gefreut, sich mit so vielen Flüchtlingen zu unterhalten.
Sonntagabend hatten wir dann ein wichtiges Treffen, bei dem wir entschieden haben, welche Lehrer wir nach den Bewerbungsgesprächen nehmen wollen. Zumindest war das der eigentliche Grund des Treffens, aber es gab noch viele andere Probleme zu lösen... Bei den Lehrern haben wir uns erstmal darauf geeinigt, dass wir alle Bewerber einen Monat auf Probe einstellen und uns danach endgültig entscheiden.
Montagvormittag habe ich dann Jonathan mit in die Schule genommen und wir haben uns mal alle Klassen angeguckt, ein paar Fotos gemacht und der arme Jonathan musste sich in jeder Klasse vorstellen. Das war übrigens mal wieder ein sehr organisierter Tag in der Schule und der Besuch war somit nicht nur eine tolle Erfahrung für Jonathan, sondern auch ein Ansporn für die Schule (und eine gute Möglichkeit für mich, mein Deutsch mal wieder zu trainieren).
Danach haben wir Mr. Bah besucht, von dem ich Jonathan (und euch?!) schon viel erzählt hatte. Es macht wirklich Spaß, Mr. Bah zuzuhören und er kann wirklich gut erklären. Jonathan war auch beeindruckt, den ehemaligen Bildungsminister von Liberia zu treffen und wir fanden es beide richtig toll, als wir dann eine eineinhalbstündige Geschichtsstunde von Mr. Bah über die Gründung und Entwicklung von Liberia bekommen haben.
Nach einigen weiteren Besuchen und Treffen mit verschiedenen Leuten habe ich Jonathan nach Kasoa gebracht, wo er einen Bus zurück nach Cape Coast gefunden hat und ich mich nochmals mit den Geldautomaten rumgeärgert habe: Von den 3 Automaten, die eigentlich meine VISA Karte akzeptieren, wollte mir keiner Geld und nur einer eine gedruckte Fehlermedlung geben. Also viertägige "networkproblems"?! Das hat mich dann schon etwas angepisst, zumal ich echt nur noch 50 Cedi habe und den Lehrern und Kindern in der Schule am letzten Tag eigentlich ein gemeinsames Essen versprochen habe (was ca. 40 Cedi kostet...). Ich bin dann also schnell ins nächste Internetcafe gegangen und habe der DKB das Leid mit meiner VISA Karte geklagt. Die erste Antwort kam schnell, war aber total doof, denn ich sollte die 4 letzten Stellen meiner VISA Karte, Ort, Datum, Betrag, Uhrzeit und Name des Kreditinstituts angeben - was bei ca. 30 Versuchen etwas schwierig ist. Die zweite Antwort kam genau so schnell und dafür haben die keine einzige dieser vorherigen Angaben, sondern nur meinen Namen gebraucht: Meine Kreditkarte ist gesperrt!
Heute war ich morgens in der Schule und war wieder überrascht, wie organisert es zuging! Es waren genug Lehrer da, die Kindern waren in ihren Klassen und hatten sogar teilweise Hefte dabei - unglaublich! Wir hatten auch einen neuen Lehrer da, der sich noch nachträglich beworben hat und der Rektor hat mich gebeten, mich in seinen Unterricht zu setzen. Daran könnte ich mich wirklich gewöhnen, Lehrer beim Unterrichten zu beobachten, ihnen Tipps und Verbesserungsvorschläge für den Unterricht zu geben und danach einen kleinen Report an den Rektor zu schreiben.
Danach hatten wir ein Meeting mit Mr. Bah und da Wilfred mal wieder zu spät kam, haben wir erst ne knappe Stunde über effektive Entwicklungshilfe diskutiert und waren uns dann einig, dass Bildung der Schlüssel zu einer besseren, gerechteren Welt ist (wobei das Matteo und ich ja schon vor 3 Jahren festgestellt haben)!
Mittags habe ich mich dann wieder mit den VISA Karten Heinis bei DKB rumgeärgert! Ich habe ihnen schon geschrieben, dass ich zur Zeit in Ghana bin und bis Morgen unbedingt nochmal Geld abheben muss. Ihre Antwort per Mail war dann, dass sie mich telefonisch (auf meiner deutschen Handynummer) nicht erreichen konnten und sie mir deshalb einen Brief (an meine deutsche Adresse!) geschickt haben - Alter! Irgendwie kapieren die das Problem nicht und ich kann von hier leider auch nicht der ihre teure Servicenummer anrufen. Außerdem weiß ich immer noch nicht, wieso meine Karte überhaupt gesperrt wurde und werde ihnen einen Hass- oder gar Drohbrief schreiben, wenn die das nicht auf die Reihe bekommen!
Bisher haben sie sich nicht nochmal gemeldet und meine Sparkassen EC Karte will auch niemand akzeptieren und ich glaube auch nicht mehr, dass das noch was wird...
Es war übrigens ein Fehler, auf Yannik zu hören und die Posts so schrecklich kurz zu verfassen, denn es gibt noch so viele Dinge, von denen ich euch noch gar nicht ezählt habe, zum Beispiel:
Das war zwar mein letzter Post aus Afrika, aber sicher nicht der letzte Post in diesem Blog (klingt wie ne Drohung...), denn es gibt ja noch zwei Tage und eine Rückreise zu erleben. Außerdem habe ich noch einige Handyfotos, die ich erst zu Hause digitalisieren kann. Aber trotzdem schon mal vielen Dank für das Interesse, die vielen (teilweise sinnvollen) Kommentare und das tolle Feedback.
VISA VISA VISA - nur ein Test...
Freitagmorgen war ich in der Schule und habe Mathe unterrichtet. Danach... ne ich muss weiter ausholen: Wir haben ja hier das Mothers' Skill Training Center, wo alleinstehenden Müttern u.a. Nähen beigebracht wird. Die dort produzierten Textilien versuchen wir dann in Europa zu verkaufen und mit dem Erlös werden wiederrum die Mütter und ihre Familien unterstützt. Tamara (eine frühere Freiwillige) will mit ihrer Schule auf dem Weihnachtsmarkt Taschen und Kleidung der Mütter verkaufen. Dazu musste sie uns erstmal das Geld schicken, damit wir die Materialien einkaufen können und der einfachste und billigste Weg war über meine VISA Karte. Also hat sie mir 250 Euro überwiesen und ich bin dann Freitagmittag mit Mr. Rogers auf den Markt in Kasoa gefahren, denn freitags ist dort Markttag und da ist auch der nächste Geldautomat.
Leider konnte ich am ersten Automaten kein Geld abheben, sondern bekam die Fehlermeldung "Your issuer has declined your transaction", womit ich nicht viel anfangen konnte. Die zweite Bank hat keine VISA Karten akzeptiert, die dritte Bank hat mir die Fehlermedlung wenigstens auf einen Beleg gedruckt und die vierte Bank hatte immerhin Schalter, wo man nachfragen konnte. Die Frau war zwar ganz nett, aber konnte es auch nur auf "networkproblems" schieben und ich solle es doch den nächsten Tag nochmal versuchen. Dazu sollte man sagen, dass nur 2 Mal die Woche Markttag ist und diese Bestellung ziemlich dringend ist, denn bei einem Monat Versand ist ja schon bald Weihnachten...
Freitagabend habe ich dann versuchsweise mein "German Meal" gekocht. Ich habe meinen Leuten hier nämlich versprochen, ihnen mal was Deutsches zu kochen, werde es auch Morgen tun, aber wollte es am Freitag mal ausprobieren. Spaghetti könnte ich gut, ist aber weniger Deutsch. Seitan ist toll, aber hier gibt es kein Paniermehl. Kartoffeln sind typisch deutsch. Nach diesen Überlegungen habe ich mich dann für Gulasch mit Kartoffeln entschieden (ist zwar auch nicht typisch deutsch, aber das wissen die ja nicht und dabei konnte ich wunderbar den Seitan unterbringen). Auf jeden Fall ist Antony jetzt ein totaler Seitanfan und hat zum ersten Mal saure Gurken gegessen (Wüsste einer von euch, was "Saure Gurken" auf Englisch heißt?^^). Morgen dürfen sich also die anderen über Gulasch freuen.
Samstag bin ich nach Accra gefahren, weil ich noch einige Geschenke für meine Freunde hier und Souveniers für den ein oder anderen Leser gebraucht habe. Außerdem habe ich am Samstag bei 10 verschiedenen Banken und 20 verschiedenen Geldautomaten versucht, Geld mit meiner VISA Karte abzuheben. Es gab zwar teilweise exotischere Fehlermedlungen, aber immer noch kein Geld. Die nächste Frau in der nächsten Bank hat auch wieder das Wort "networkproblems" in den Mund genommen, was mich aber nicht sonderlich beruhigt hat. Ich habe dann meine Shopping Tour auch etwas eingeschränkt, weil ich ja nicht wusste, wie lange mein Geld noch reichen muss.
Samstagabend kam mich dann Jonathan besuchen, den ihr schon kennen solltet, weil er mir dieses tolle Leuchtphänomen am Strand gezeigt hat. Jonathan hat Politikwissenschaften studiert und seine Bachelorarbeit über die Situation von Flüchtlingen geschrieben, weshalb er es total spannend fande, als ich von meiner Arbeit hier erzählt habe.
Am Sonntag sind wir dann erst in die Kirche gegangen und nachmittags hat uns Wilfred das Flüchtlingslager gezeigt. Selbst ich fande es nach 2 Monaten noch interessant und Jonathan hat sich offensichtlich auch über diese Möglichkeit gefreut, sich mit so vielen Flüchtlingen zu unterhalten.
Sonntagabend hatten wir dann ein wichtiges Treffen, bei dem wir entschieden haben, welche Lehrer wir nach den Bewerbungsgesprächen nehmen wollen. Zumindest war das der eigentliche Grund des Treffens, aber es gab noch viele andere Probleme zu lösen... Bei den Lehrern haben wir uns erstmal darauf geeinigt, dass wir alle Bewerber einen Monat auf Probe einstellen und uns danach endgültig entscheiden.
Montagvormittag habe ich dann Jonathan mit in die Schule genommen und wir haben uns mal alle Klassen angeguckt, ein paar Fotos gemacht und der arme Jonathan musste sich in jeder Klasse vorstellen. Das war übrigens mal wieder ein sehr organisierter Tag in der Schule und der Besuch war somit nicht nur eine tolle Erfahrung für Jonathan, sondern auch ein Ansporn für die Schule (und eine gute Möglichkeit für mich, mein Deutsch mal wieder zu trainieren).
Danach haben wir Mr. Bah besucht, von dem ich Jonathan (und euch?!) schon viel erzählt hatte. Es macht wirklich Spaß, Mr. Bah zuzuhören und er kann wirklich gut erklären. Jonathan war auch beeindruckt, den ehemaligen Bildungsminister von Liberia zu treffen und wir fanden es beide richtig toll, als wir dann eine eineinhalbstündige Geschichtsstunde von Mr. Bah über die Gründung und Entwicklung von Liberia bekommen haben.
Nach einigen weiteren Besuchen und Treffen mit verschiedenen Leuten habe ich Jonathan nach Kasoa gebracht, wo er einen Bus zurück nach Cape Coast gefunden hat und ich mich nochmals mit den Geldautomaten rumgeärgert habe: Von den 3 Automaten, die eigentlich meine VISA Karte akzeptieren, wollte mir keiner Geld und nur einer eine gedruckte Fehlermedlung geben. Also viertägige "networkproblems"?! Das hat mich dann schon etwas angepisst, zumal ich echt nur noch 50 Cedi habe und den Lehrern und Kindern in der Schule am letzten Tag eigentlich ein gemeinsames Essen versprochen habe (was ca. 40 Cedi kostet...). Ich bin dann also schnell ins nächste Internetcafe gegangen und habe der DKB das Leid mit meiner VISA Karte geklagt. Die erste Antwort kam schnell, war aber total doof, denn ich sollte die 4 letzten Stellen meiner VISA Karte, Ort, Datum, Betrag, Uhrzeit und Name des Kreditinstituts angeben - was bei ca. 30 Versuchen etwas schwierig ist. Die zweite Antwort kam genau so schnell und dafür haben die keine einzige dieser vorherigen Angaben, sondern nur meinen Namen gebraucht: Meine Kreditkarte ist gesperrt!
Heute war ich morgens in der Schule und war wieder überrascht, wie organisert es zuging! Es waren genug Lehrer da, die Kindern waren in ihren Klassen und hatten sogar teilweise Hefte dabei - unglaublich! Wir hatten auch einen neuen Lehrer da, der sich noch nachträglich beworben hat und der Rektor hat mich gebeten, mich in seinen Unterricht zu setzen. Daran könnte ich mich wirklich gewöhnen, Lehrer beim Unterrichten zu beobachten, ihnen Tipps und Verbesserungsvorschläge für den Unterricht zu geben und danach einen kleinen Report an den Rektor zu schreiben.
Danach hatten wir ein Meeting mit Mr. Bah und da Wilfred mal wieder zu spät kam, haben wir erst ne knappe Stunde über effektive Entwicklungshilfe diskutiert und waren uns dann einig, dass Bildung der Schlüssel zu einer besseren, gerechteren Welt ist (wobei das Matteo und ich ja schon vor 3 Jahren festgestellt haben)!
Mittags habe ich mich dann wieder mit den VISA Karten Heinis bei DKB rumgeärgert! Ich habe ihnen schon geschrieben, dass ich zur Zeit in Ghana bin und bis Morgen unbedingt nochmal Geld abheben muss. Ihre Antwort per Mail war dann, dass sie mich telefonisch (auf meiner deutschen Handynummer) nicht erreichen konnten und sie mir deshalb einen Brief (an meine deutsche Adresse!) geschickt haben - Alter! Irgendwie kapieren die das Problem nicht und ich kann von hier leider auch nicht der ihre teure Servicenummer anrufen. Außerdem weiß ich immer noch nicht, wieso meine Karte überhaupt gesperrt wurde und werde ihnen einen Hass- oder gar Drohbrief schreiben, wenn die das nicht auf die Reihe bekommen!
Bisher haben sie sich nicht nochmal gemeldet und meine Sparkassen EC Karte will auch niemand akzeptieren und ich glaube auch nicht mehr, dass das noch was wird...
Es war übrigens ein Fehler, auf Yannik zu hören und die Posts so schrecklich kurz zu verfassen, denn es gibt noch so viele Dinge, von denen ich euch noch gar nicht ezählt habe, zum Beispiel:
- Das Tro-Tro mit der schweizer Mautplakette von 1972
- Der Sternenhimmel über Ghana (Ich habe eigentlich klare, dunkle Nächte erwartet, aber die Milchstraße nur einmal während eines Stromausfalls gesehen. Dafür habe ich aber in den ersten Augusttagen das Kreuz des Südens sehen können!)
- Das Lagerfeuer am Strand
- der Gecko in meinem Handtuch (und heute hinter meinem Kulturbeutel)
- Der Chef des "Neighbourhood Watch Teams", der 2008 und 2009 Schauspieler des Jahres in Liberia war
- Der Tag, an dem ich 3 Mal auf Hitler angesprochen wurde (und sont nie, wobei man als deutscher im europäischen Ausland ja ständig auf Adolf angesprochen wird)
- Die Brandenburg'sche Festung
- Mr. Bahs Report an die ghanaische Regierung
- ...
Das war zwar mein letzter Post aus Afrika, aber sicher nicht der letzte Post in diesem Blog (klingt wie ne Drohung...), denn es gibt ja noch zwei Tage und eine Rückreise zu erleben. Außerdem habe ich noch einige Handyfotos, die ich erst zu Hause digitalisieren kann. Aber trotzdem schon mal vielen Dank für das Interesse, die vielen (teilweise sinnvollen) Kommentare und das tolle Feedback.
Donnerstag, 23. September 2010
Da warens nur noch 7...
Mal wieder gelingt es mir, mit meinem Titel den Nagel auf den Punkt zu bringen! Die offensichtliche Bedeutung des Titels liegt darin, dass ich in genau 7 Tagen durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen gehe und mir die Kokosnüsse im Handgepäck abgenommen werden, weil die Kokosmilch darin nicht in einem durchsichtigen Plastikbeutel verpackt ist... So oder so ähnlich, aber meine letzte Woche ist angebrochen und es ist wirklich komisch, denn während die Zeit am Anfang manchmal sehr langsam vergangen ist, vergehen die Tage jetzt so schnell und es gibt noch so vieles zu tun, noch so viele Leute zu treffen und noch so viele Dinge einzukaufen.
Um euch die andere Bedeutung des Titels zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen:
Ein großes Problem unserer Schule ist, dass wir die Lehrer nicht regelmäßig bezahlen können, weil die Einnahmen einer kleinen NGO nunmal sehr unregelmäßig sind. Das ist aber ein Problem für beide Seiten, denn die Lehrer verlieren das Vertrauen in die Organisation und arbeiten natürlich nicht so motiviert, wenn sie seit 3 Monaten kein Gehalt mehr bekommen haben, was wiederrum ein Problem für PCO ist. Deshalb hat sich die Organisation dazu entschieden, dass wir die Zahl der Lehrer von 10 auf 7 reduzieren. Wir haben also alle Lehrer unsere Schule (und von außerhalb) aufgefordert sich nochmals zu bewerben und wir haben in den letzten beiden Tagen Bewerbungsgespräche durchgeführt.
Wir haben die Bewerbungsgespräche auch gut vorbereitet, wichtige Fragen aufgeschrieben, einen Bewertungsbogen erarbeitet und die Lehrer eingeladen. Ich habe mich da richtig drauf gefreut, weil man dann mal auf der anderen Seite des Bewerbungsgesprächs sitzt und ich habe auch ein nicht kleines Mitspracherecht (vor allem was die fachlichen Qualifikationen angeht). Wir haben letztendlich 8 Bewerbungen erhalten und da wurde mir so langsam klar, dass das für einen Lehrer schlecht ausgeht.
Die Bewerbungsschreiben selbst waren haarsträubend! Wir haben darum gebeten, die Bewerbungen mit PC zu schreiben und haben 8 handgeschriebene Bewerbungen erhalten. Es gab darin so offensichtliche Rechtschreibfehler, dass diese sogar meinem englischen Sprachgefühl geschmerzt haben. Einige Bewerbungen waren auf Doppelseiten geschrieben, die vorher aus einem Heft rausgerissen wurden. Auf 3 Bewerbungen stand nicht mal der Name oder Kontakt des Bewerbers und von Form und Aufbau müssen wir erst gar nicht reden. Ich kann ja auch keine guten Bewerbungen schreiben und hatte in meiner Bewerbung bei SAP sogar einen Rechtschreibfehler ("Heidleberg"), aber das hier ist noch um einiges schlimmer.
Die Bewerbungsgespräche selbst waren interessant, weil die Lehrer dann eben von ihrer Ausbildung erzählt haben und viele durch den Krieg in Liberia vertrieben wurden bzw. ihre Ausbildung abbrechen mussten. Eine Lehrerin hat dann erzählt, dass sie im Bürgerkrieg ihren Mann verloren hat, mit ihren 5 Kindern ins Flüchtlingslager gekommen ist und jetzt als Lehrerin arbeiten will, um etwas Geld für ihre Kinder zu verdienen. Solche persönlichen Schicksale gibt es hier viele und dabei wurde mir dann so richtig klar, dass es unmöglich werden wird, sich für sieben und gegen einen Lehrer zu entscheiden. "Geld verdienen" ist halt die schlechteste Motivation um einen Lehrer einzustelen, aber vor dem persönlichen Hintergrund ist das wirklich schwer. Mein Gewissen beruhigt zur Zeit nur, dass die letztendliche Entscheidung nicht bei mir liegt und auch noch nicht gefallen ist. Außerdem weiß ich jetzt, dass ich später niemals einen Beruf mit solchen Personalentscheidungen haben möchte, weil sich die wirtschaftlichen Interessen des "Unternehmens" meistens nicht mit den Hoffnungen der Bewerber vereinbaren lassen.
Ansonsten noch einige Antworten aus den Bewerbungsgesprächen: Einer der Geschichtslehrer dachte, dass der 2. Weltkrieg im 19. Jhdt war (und ihm war klar, dass das 1800irgendwas bedeutet). Ein Religionslehrer sollte Parallelen zwischen Christentum und Islam ziehen und hat dann gesagt, dass Jesus im Islam Mohamed genannt wird. Ein Englischlehrer hat noch nie was vom Futur gehört und konnte entsprechend auch nicht den Unterschied zwischen going-to-future und will-future erklären. Ein Mathelehrer hat behauptet, dass Pi genau 3 ist...
Jetzt ist der Post schon wieder so lang, aber eine Geschichte verkraftet ihr noch:
Auf dem Weg zur Schule ist mir am Mittwoch eine feiernde Gemeinde von so ca. 50 Leuten entgegen gekommen. Sie hatten ein Bild von einem jungen Mädchen dabei und ich dachte zuerst, es sei ein Geburtstag oder eine Art ghanaisch/liberianischer Junggesellenabschied, zumal es von der Ausgelassenheit und Kontaktscheue sehr an einen Heidelberger Junggesellenabschied erinnert hat: Die Leute sind singend durch das Camp gelaufen, haben mit Passanten getanzt (auch mit mir) und vor allen Dingen hatten sie blaue Farbe dabei. Sie selbst waren schon überall blau und ich war natürlich ein tolles Opfer zum Anmalen... Das war ja eingeltich ganz witzig, aber ich war leider gerade auf dem Weg zu den Vorstellungsgesprächen und musste mich davor erst nochmal waschen. Als ich so blau durch das Camp gelaufen bin, haben mich natürlich viele Leute darauf angesprochen und eine Bekannte hat mir dann erklärt, dass das eine Beerdigung war! Das fande ich dann wirklich komisch, weil ich halt nur europäische Beerdigungen kenne und sich bei dieser Party wirklich jeder gefreut hat und gut gelaunt war. Vielleicht ist das ihre Art mit dem Schmerz umzugehen oder vielleicht ist das ihre Art der Verstorbenen Respekt zu zollen, aber auf jeden Fall gehören solche Beerdigungen (wie ich später erfahren habe) zu deren Kultur und laufen immer so ab. Also bei meiner Beerdigung bitte traurig sein, "Imagine" von John Lennon spielen und bloß keine blaue Farbe!
Das Wochenende über werde ich beschäftigt sein und nicht zum Bloggen kommen, aber nächste Woche gibt es dann noch einen Post aus Afrika - versprochen.
Um euch die andere Bedeutung des Titels zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen:
Ein großes Problem unserer Schule ist, dass wir die Lehrer nicht regelmäßig bezahlen können, weil die Einnahmen einer kleinen NGO nunmal sehr unregelmäßig sind. Das ist aber ein Problem für beide Seiten, denn die Lehrer verlieren das Vertrauen in die Organisation und arbeiten natürlich nicht so motiviert, wenn sie seit 3 Monaten kein Gehalt mehr bekommen haben, was wiederrum ein Problem für PCO ist. Deshalb hat sich die Organisation dazu entschieden, dass wir die Zahl der Lehrer von 10 auf 7 reduzieren. Wir haben also alle Lehrer unsere Schule (und von außerhalb) aufgefordert sich nochmals zu bewerben und wir haben in den letzten beiden Tagen Bewerbungsgespräche durchgeführt.
Wir haben die Bewerbungsgespräche auch gut vorbereitet, wichtige Fragen aufgeschrieben, einen Bewertungsbogen erarbeitet und die Lehrer eingeladen. Ich habe mich da richtig drauf gefreut, weil man dann mal auf der anderen Seite des Bewerbungsgesprächs sitzt und ich habe auch ein nicht kleines Mitspracherecht (vor allem was die fachlichen Qualifikationen angeht). Wir haben letztendlich 8 Bewerbungen erhalten und da wurde mir so langsam klar, dass das für einen Lehrer schlecht ausgeht.
Die Bewerbungsschreiben selbst waren haarsträubend! Wir haben darum gebeten, die Bewerbungen mit PC zu schreiben und haben 8 handgeschriebene Bewerbungen erhalten. Es gab darin so offensichtliche Rechtschreibfehler, dass diese sogar meinem englischen Sprachgefühl geschmerzt haben. Einige Bewerbungen waren auf Doppelseiten geschrieben, die vorher aus einem Heft rausgerissen wurden. Auf 3 Bewerbungen stand nicht mal der Name oder Kontakt des Bewerbers und von Form und Aufbau müssen wir erst gar nicht reden. Ich kann ja auch keine guten Bewerbungen schreiben und hatte in meiner Bewerbung bei SAP sogar einen Rechtschreibfehler ("Heidleberg"), aber das hier ist noch um einiges schlimmer.
Die Bewerbungsgespräche selbst waren interessant, weil die Lehrer dann eben von ihrer Ausbildung erzählt haben und viele durch den Krieg in Liberia vertrieben wurden bzw. ihre Ausbildung abbrechen mussten. Eine Lehrerin hat dann erzählt, dass sie im Bürgerkrieg ihren Mann verloren hat, mit ihren 5 Kindern ins Flüchtlingslager gekommen ist und jetzt als Lehrerin arbeiten will, um etwas Geld für ihre Kinder zu verdienen. Solche persönlichen Schicksale gibt es hier viele und dabei wurde mir dann so richtig klar, dass es unmöglich werden wird, sich für sieben und gegen einen Lehrer zu entscheiden. "Geld verdienen" ist halt die schlechteste Motivation um einen Lehrer einzustelen, aber vor dem persönlichen Hintergrund ist das wirklich schwer. Mein Gewissen beruhigt zur Zeit nur, dass die letztendliche Entscheidung nicht bei mir liegt und auch noch nicht gefallen ist. Außerdem weiß ich jetzt, dass ich später niemals einen Beruf mit solchen Personalentscheidungen haben möchte, weil sich die wirtschaftlichen Interessen des "Unternehmens" meistens nicht mit den Hoffnungen der Bewerber vereinbaren lassen.
Ansonsten noch einige Antworten aus den Bewerbungsgesprächen: Einer der Geschichtslehrer dachte, dass der 2. Weltkrieg im 19. Jhdt war (und ihm war klar, dass das 1800irgendwas bedeutet). Ein Religionslehrer sollte Parallelen zwischen Christentum und Islam ziehen und hat dann gesagt, dass Jesus im Islam Mohamed genannt wird. Ein Englischlehrer hat noch nie was vom Futur gehört und konnte entsprechend auch nicht den Unterschied zwischen going-to-future und will-future erklären. Ein Mathelehrer hat behauptet, dass Pi genau 3 ist...
Jetzt ist der Post schon wieder so lang, aber eine Geschichte verkraftet ihr noch:
Auf dem Weg zur Schule ist mir am Mittwoch eine feiernde Gemeinde von so ca. 50 Leuten entgegen gekommen. Sie hatten ein Bild von einem jungen Mädchen dabei und ich dachte zuerst, es sei ein Geburtstag oder eine Art ghanaisch/liberianischer Junggesellenabschied, zumal es von der Ausgelassenheit und Kontaktscheue sehr an einen Heidelberger Junggesellenabschied erinnert hat: Die Leute sind singend durch das Camp gelaufen, haben mit Passanten getanzt (auch mit mir) und vor allen Dingen hatten sie blaue Farbe dabei. Sie selbst waren schon überall blau und ich war natürlich ein tolles Opfer zum Anmalen... Das war ja eingeltich ganz witzig, aber ich war leider gerade auf dem Weg zu den Vorstellungsgesprächen und musste mich davor erst nochmal waschen. Als ich so blau durch das Camp gelaufen bin, haben mich natürlich viele Leute darauf angesprochen und eine Bekannte hat mir dann erklärt, dass das eine Beerdigung war! Das fande ich dann wirklich komisch, weil ich halt nur europäische Beerdigungen kenne und sich bei dieser Party wirklich jeder gefreut hat und gut gelaunt war. Vielleicht ist das ihre Art mit dem Schmerz umzugehen oder vielleicht ist das ihre Art der Verstorbenen Respekt zu zollen, aber auf jeden Fall gehören solche Beerdigungen (wie ich später erfahren habe) zu deren Kultur und laufen immer so ab. Also bei meiner Beerdigung bitte traurig sein, "Imagine" von John Lennon spielen und bloß keine blaue Farbe!
Das Wochenende über werde ich beschäftigt sein und nicht zum Bloggen kommen, aber nächste Woche gibt es dann noch einen Post aus Afrika - versprochen.
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